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Warum steigen Strompreise und können sich Verbraucher aus der Preisspirale befreien?

Endkundenpreise für Strom in Deutschland steigen jedes Jahr, während die Einkaufspreise für Strom sinken. Thorsten Zoerner, CEO der STROMDAO GmbH, erklärt im Interview warum das so ist und zeigt einen völlig neuen Ansatz, mit dem sich alle Stromkunden aus der Strompreisspirale befreien können.

So sicher wie jeden Morgen ein neuer Tag beginnt steigen jedes Jahr die Strompreise in Deutschland. Für 2020 sind 3,4 Prozent angekündigt, was einem Rekordpreis von 31,5 Cent pro Kilowattstunde entspricht. Schuld sollen die Erneuerbaren Energien sein und die in ihrem Fahrwasser steigende EEG-Umlage.

Wie meistens im Leben ist die Welt nicht ganz so einfach und der Sündenbock ein Vehikel für verdeckte Gewinne Weniger auf Kosten Vieler. Im Fall der steigenden Stromkosten zahlen private Stromverbraucher und kleine, mittelständische Unternehmen die Zeche.

Thorsten Zoerner, Gründer und CEO der STROMDAO GmbH hat mit seinem Heidelberger Unternehmen einen Grünstromtarif entwickelt, mit dem Verbraucher grünen Strom selbst erzeugen können, so der Strompreisspirale eine Absage erteilen und damit auch noch zu aktiven Klimaschützern werden.

Wird die EEG-Umlage in Zukunft sinken?

Thorsten Zoerner: „Wer bei einem guten Ökostromanbieter Kunde ist, hat in der Vergangenheit vielleicht schon erleben dürfen, dass Strompreise auch sinken können. Das ist dann der Fall, wenn Anbieter zum Beispiel sinkende EEG Umlagen oder sinkende Börsenstrompreise an Kunden weitergeben. In den kommenden Jahren sollte der Anteil der EEG-Umlage sowieso sinken, weil ab Januar 2021 Erneuerbare Energieanlagen aus der EEG-Förderung fallen. Damit sollten eigentlich auch die Strompreise sinken.“

Was ist mit dem Ausbau der Erneuerbaren Energien, werden die zum neuen Preistreiber?

Thorsten Zoerner: „Neu errichtete Photovoltaikanlagen für privaten, gewerblichen und landwirtschaftlichen Gebrauch werden in der Regel zum Eigenverbrauch installiert. Sie sind so ausgelegt, dass sie möglichst wenig Energie ins öffentliche Netz einspeisen, damit nur eine geringe Förderung erhalten und für die zukünftige EEG-Umlage kein Kostentreiber mehr sind.“

Steigende Verbraucherpreise trotz sinkender Börsenstrompreise, was steckt dahinter?

Thorsten Zoerner: „Seit einigen Jahren wird Strom aus Erneuerbaren Energieanlagen auch an der Börse verkauft. Was ursprünglich als Kunstgriff gedacht war, um Großkunden, die Strom direkt von der Strombörse beziehen, an der EEG-Umlage zu beteiligen, hat in der Praxis zu sinkenden Börsenpreisen geführt. Grund ist ein Überangebot an Strom durch parallele Einspeisung von erneuerbaren und fossilen Erzeugern, bis hin zu negativen Strompreisen. Dieser Preissturz wurde jedoch nie an private Stromkunden weitergegeben. Sie müssen sogar noch für die Differenz zur geförderten Vergütung der Anlagenbetreiber aufkommen, wenn deren erneuerbare Energieanlagen wegen Überangebot im Netz abgeschaltet werden, weil unflexible Kohlekraftwerke mit ihrem CO2-belasteten Strom die Netze verstopfen.“

Wenn sich immer mehr Privathaushalte, Unternehmen und landwirtschaftliche Betriebe selbst versorgen, brauchen wir eine neue Bewertung von Strom, weil in Zukunft immer weniger Menschen immer höhere Strompreise zahlen müssen?

Thorsten Zoerner: „Wir brauchen eine neue Bewertung von Strom. Kunden sollten in einem zukünftigen Strommarktmodell für die Infrastruktur zahlen, die benötigt wird, um den persönlichen Strombedarf zu befriedigen. Brennstoffkosten entfallen in einer Energiewelt mit erneuerbaren Energien. Mit GrünstromIndex und Grünstromtarif Corrently gehen wir diesen Weg. Kunden erhalten für intelligente Grünstromnutzung Bonuspunkte, die sie in Anteile an Photovoltaikanlagen umwandeln können. Die aus den Anteilen erzeugten Kilowattstunden werden von ihrem Verbrauch abgezogen, was wiederum die Stromrechnung reduziert. Das funktioniert für Mieter und Immobilienbesitzer gleichermaßen. Das ist ein völlig neuer Ansatz, mit dem sich alle Stromkunden aus der Strompreisspirale befreien können. Sie gehen dabei aber auch eine Bindung an einen Lieferanten ein, da die Anteile an erneuerbaren Energieanlagen an Lieferverträge eines Anbieters gebunden sind.“

Kommt das Ende der Kilowattstunde als Berechnungsgrundlage?

Thorsten Zoerner: „Den Wert von Strom nicht mehr in Kilowattstunden, sondern in Kosten für Infrastruktur zu denken, die verlässlich den Bedarf befriedigt, ist eine der wichtigsten Aufgaben der Energiewende und ein langer Transformationsprozess. Wie stark wir heute den Wert von Strom in Kilowattstunden ermitteln wird deutlich, wenn man sich die Bestandteile des Strompreises näher anschaut. In den Steuereinnahmen des Bundes macht die Stromsteuer von 2,05 Cent je Kilowattstunde 7 Milliarden Euro jährlich aus. Das sind knapp 2 Prozent des Bundeshaushalts im Jahr 2019.

Kommunen erhalten Einnahmen aus Konzessionsabgaben zur Finanzierung von kommunalen Einrichtungen und Aufgaben. Je nach Größe einer Gemeinde bewegen sich die Abgaben zwischen 1,57 und 2,37 Cent je Kilowattstunde.

Nicht zu vergessen sind die Einnahmen aus der Umsatzsteuer, die bei Strom in voller Höhe von 19 Prozent anfällt. Alle drei Strompreispositionen sind wichtige Einnahmequellen für Staat und Kommunen, die im Zuge eines Umbaus auf ein neues Preismodell umstrukturiert werden müssen.

Ist die Erzeugung der geringste Teil beim Preis einer Kilowattstunde Strom?

Thorsten Zoerner: „Lediglich ein Fünftel der Kosten einer Kilowattstunde, etwa 4 Cent, werden für die Erzeugung ausgegeben. Genau an diesen Erzeugerkosten wird aber gerne versucht zu optimieren, obwohl sie nur einen kleinen Teil beim Stromtarif ausmachen. Außerdem bestimmt genau dieser Teil des Strompreises die Qualität der Ware Strom und die Qualität von Infrastruktur. Wird bei der Erzeugung gespart, kann das die Zuverlässigkeit von Erzeugungsanlagen und Netzen negativ beeinflussen.“

Die Rolle der Verbraucher – was können sie tun?

Thorsten Zoerner: „Verbraucherinnen und Verbraucher können viel tun. Verschenkt ein Stromanbieter an Neukunden zum Beispiel ein iPhone, so ist dies gleichbedeutend mit einem monetären Anteil von rund 4 Cent je Kilowattstunde beim Strompreis. Die Marketingkosten zur Neukundengewinnung verursachen demnach pro Kilowattstunde Kosten in gleicher Höhe, wie sie für Bau, Betrieb und Wartung von Erzeugungsanlagen je Kilowattstunde anfallen. Solange Kunden bereit sind mit ihren Stromkosten eine Küchenmaschine, Kühlschank, Tablet oder iPhone zu zahlen, wird es solche Angebote geben. Dann sollte aber bitte niemand über angeblich zu hohe Erzeugungskosten beim Strompreis meckern.

Wie sieht ein intelligentes Anreizsystem für Ökostromtarife aus?

Thorsten Zoerner: „Es muss nachhaltig sein und ökologisch. Wir haben mit GrünstromIndex und Grünstromtarif Corrently ein System geschaffen, bei dem Verbraucher mit ihrem Strombezug in Klimaschutz und Erzeugungsanlagen investieren. Wir kalkulieren unsere Tarife so, wie es alle Marktteilnehmer tun, überlassen aber unseren Kunden bei jeder Kilowattstunde die Entscheidung, was mit dem einkalkulierten Marketinggeld passieren soll. Kunden erhalten für intelligente Nutzung von Ökostrom Corrently Bonuspunkte, die sie in den Aufbau einer eigenen Grünstromerzeugung investieren können. Langfristig decken Verbraucher so ihren Strombedarf selbst und werden unabhängiger von der Strompreisentwicklung und zu aktiven Klimaschützern.“

Schafft sich Ihr Geschäftsmodell im Laufe der Zeit selbst ab?

Thorsten Zoerner: „Kunden, deren Stromrechnung immer kleiner wird und die sich langfristig praktisch selbst mit Energie versorgen, sind begeisterte Kunden. Warum sollten sie von einem guten System zu einem schlechteren wechseln? Wir bieten langfristig eine Lösung für steigende Strompreise, ermöglichen aktiven Klimaschutz und Stromautarkie ohne eigene Immobilie. Natürlich können Kunden ihren persönlichen Verbrauch mit Anteilen an erneuerbaren Energieanlagen bei unserem Tarif im Laufe der Zeit praktisch komplett selbst erzeugen. Bis dieser Punkt erreicht ist, zahlen sie ihren Strombezug, sind zufriedene Kunden, treue Kunden, aktive Klimaschützer und exzellente Markenbotschafter. Das klingt für mich nach einem nachhaltigen Geschäft auf Gegenseitigkeit und Augenhöhe.“

Herr Zoerner, vielen Dank für das Gespräch.

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